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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG Lebensweise der Fledertiere Da Fledermäuse keine Nester bauen, benötigen sie zu jeder Jahreszeit geeignete Unterschlupfmöglichkeiten. Man unterscheidet Winter- / Sommer - und Zwischenquartiere. Sommerquartiere:Man unterscheidet zwei Arten von Sommerquartieren, die Wochenstuben und Schlafplätze der Männchen, die im Sommer meist als Einzelgänger leben. Bei einigen Fledermausarten wie den Abendseglern und Zweifarbfledermäusen findet man auch größere Männchengesellschaften in den Schlafplätzen (Gebhard 1991). Die Weibchen versammeln sich in den Wochenstuben, wo sie je nach Witterung etwa im Juni die Jungen gebären. Die Embryonalentwicklung kann mittels Thermoregulation gesteuert werden, so daß in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot der Geburtstermin beeinflußt werden kann. Die Weibchen gebären in der Regel nur ein oder zwei Junge, die nach 3-4 Wochen flugfähig sind und nach 4-6 Wochen entwöhnt werden. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 2,5 - 4,5 Jahren und dem Eintritt ins paarungsfähige Alter nach dem ersten Lebensjahr, sind dies Umstände, die bei einer Störung der Lebensgemeinschaft schnell zum Erlischen einer Population führen können.
Fledermaus Sommerquartiere: * gemeint sind im allgemeinen trockene Mauern ( ) Nebenvorkommen (nach Blab 1980) Wochenstuben-Quartiere Mauerspalten* Dachräume Baumhöhlen Bemerkung Kleine Bartfl. + (+) + Große Bartfl. (+) + Fransenfl. (+) + versteckt Mausohr + (bis 45°C) (+) freihängend Wasserfl. (kühle,feuchte(+) + versteckt Teichfl. + Zweifarbfl. + (+) versteckt Breitflügelfl. (+) + (+) versteckt Gr.Abendsegler (+) (+) + Kl.Abendsegler + Zwergfl. (+) + (+) versteckt Rauhhautfl. + versteckt Br. Langohr + + versteckt Gr.Langohr + versteckt
Fledermäuse beziehen im Sommer abwechselnd Ausweichquartiere. Ein Grund dafür ist bisher nicht bekannt. Ende August lösen sich die Wochenstuben auf und eine neue Paarungsperiode, die, wie schon beschrieben, bis ins nächste Frühjahr andauert, beginnt. Winterquartiere: Ab Mitte Oktober ziehen die Fledermäuse in ihre Winterquartiere, wo sie bis März ihren Winterschlaf halten. Dabei fallen sie in Kältelethargie, d.h. sie verringern ihre gesamten Körperfunktionen (Atemfrequenz, Herzfrequenz, Körpertemperatur etc.) auf ein Minimum. Zum weiteren Schutz gegen Wärmeverluste umhüllen sie ihren Körper mit den Flügeln, die Langohrfledermäuse klappen sogar ihre Ohren ein. Während dieser Zeit leben die Fledermäuse von dem braunen Fettgewebe, das sie sich über das Jahr hinweg angefressen haben. Gerade in diesem Fettgewebe aber reichern sich Umweltschadstoffe besonders stark an, so daß die Tiere sich ,,selbst" vergiften können.
Fledermaus-Winterquartiere (nach Blab 1980): ( ) Nebenvorkommen Feishöhlen,Stollen Felsspalten Mauerspalten Dachräume Baumhöhlen/-spalten Bemerk. Kleine Bartfl. + (im Eing.) freihängend Große Bartfl. + (im Eing.) freihängend Fransenfl. + (im Eing.) (+) versteckt Mausohr + (i.d. Mitte) (+) freih. / verst. Wasserfl. + (i.d. Mitte) (+) freih. / verst. Teichfl. + freih./verst. Zweifarbfl. + (+) Breitflügelfl. + (+) + (+) Gr.Abendsegl. (+) + + KI.Abendsegl. (+) + Zwergfl. (+) + (+) versteckt Rauhhautfl. (+) (+) + Br. Langohr + (i.d. Mitte) versteckt Gr.Langohr + (i.d. Mitte) (+) versteckt
Im Winterquartier leben beide Geschlechter zusammen. Zum Teil findet hier oder aber schon im Herbst die Paarung statt. Die Weibchen speichern die Spermien und erst im Frühjahr kommt es zur eigentlichen Befruchtung. Oft findet man mehrere Fledermausarten in einem Winterquartier, wobei jede eine charakteristische ökologische Nische mit dem für sie geeigneten Temperaturbereich und Feuchtigkeitsgehalt bewohnt .
Temperaturbereiche im Winterquartier in °C : ( ) kurzzeitig tolerierte Temperatur (nach Schober 1987) Teichfledermaus 0,5-7,5 Abendsegler 0 Breitflügelfledermaus 2-4 Braunes Langohr 2-5 Zwergfledermaus 2-6 Gr.Langohr 2-9 Wasserfeldermaus (-2) 3-8 Fransenfledermaus (-0,5) 2,8-8 Gr. Bartfledermaus 3-4 Kl. Bartfledermaus 2-8 kl. Mausohr 6-12 gr. Mausohr 7-12
Im Frühjahr ab Mitte März erwachen die Fledermäuse und wandern in ihre Sommerquartiere. Auf der Wanderung besiedeln sie einzeln oder in kleinen Gruppen Zwischenquartiere. Auch in dieser Zeit können Paarungen stattfinden. Einige Fledermäuse neigen dazu einen Harem mit 2-10 Weibchen auf 1 Männchen (z.B. Abendsegler und Rauhhautfledermäuse) zu bilden. Wanderungen: Die während der Wanderungen zurückgelegten Entfernungen sind nicht nur von der Art, sondern auch von dem Geschlecht und dem Alter der Tiere abhängig. Eine Fledermausart kann aus der durchschnittlichen Wanderleistung (Häufigkeit des Vorkommens vergleichbarer Wanderdistanzen) grob in die Kategorien der Fernwanderer, Mittelstreckenwanderer und Kurzstreckenwanderer eingeteilt werden . Diese Einteilung ist rein theoretisch. Möglicherweise ist eine gefundene Population trotz ihrer Wanderfähigkeit standorttreu.
Durchschnittliche Wanderleistung von Fledermäusen (nach Blab 1980 ergänzt nach Schober 1987): Femwanderer> 250 km Mittelstreckenwanderer> 20 km Kurzstreckenwanderer <20 km G r.Abendsegler Zwergfl. gr. Langohr Kl.Abendsegler Teichfl. br.Langohr Rauhhauttl. Wasserfl. Nordfl. Breitflügelfl. Zweifarbfl. Mausohr Bartfl. Fransenfl.
Literaturhinweise unter : Literaturliste
Auszug (mit freundlicher Genehmigung der Autoren und Herausgeber) aus der Veröffentlichung, sämtliche Rechte vorbehalten: Dr. Henrike und Holger Körber, Andrea Will, Gerhard Hilverkus: Bestandsaufnahme der Fledermäuse im Raum Wermelskirchen (Bergisches Land), 1995
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