EU-LIFEP8240627_small.gif (1457 Byte)
Fledermaus-Schutz

Nach oben

 

Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Das LIFE-Projekt ,,Grenzüberschreitendes Programm zum Schutz der Fledermäuse im westlichen Mitteleuropa"

von Christine Harbusch, Grenzüberschreitender Verein Fledermausschutz e.V.

T2684.jpg (3094 Byte)

Das "Grenzüberschreitendes Programm zum Schutz der Fledermäuse im westlichen Mitteleuropa" ist das erste staatenübergreifende Schutzprojekt im Fledermausschutz. Vier Staaten beteiligen sich an diesem Programm der Europäischen Union, das die Sicherung, den Schutz und Erhalt unterirdischer Winterquartiere von Fledermäusen zum Ziel hat. Das Projekt ist am 1.1.96 in Kraft getreten und wird Ende Juli 1998 beendet sein mit dem Ziel, rund 160 Winterquartiere gesichert zu haben.

Träger des LIFE-Projektes ist der ,,Grenzüberschreitende Verein Fledermausschutz" mit eingetragenem Sitz am Naturhistorischen Museum Luxemburg. Dem Verein gehören rund 20 Mitglieder aus 5 europäischen Staaten an: Deutschland - Frankreich - Luxemburg - Belgien - Niederlande. Aus diesen Staaten sind folgende Regionen am Projekt beteiligt: Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Lothringen, Champagne-Ardenne, Luxemburg und Wallonien. Der 1992 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den praktischen und legislativen Fledermausschutz in den genannten Staaten durch Schutzmaßnahmen, Einflußnahme auf Gesetzgebungen auf nationaler und europäischer Ebene sowie auf nationale Schutzgebiets- Verordnungen sinnvoll voranzubringen.

Für die bereits seit 1987 im ,,Grenzüberschreitenden Arbeitskreis Fledermausschutz" aktiven Mitgliedern war der Schutz der ehemaligen militärischen Befestigungsanlagen mit dem Westwall, der Maginot-Linie und den Forts aus dem deutsch/französischen Krieg von 1870/71 schon lange Ziel langwieriger Bemühungen. In den höhlen- und winterquartierarmen Regionen beiderseits der Grenzen stellen diese unterirdischen Anlagen wichtige und unersetzliche Quartiere dar. Die Befestigungsanlagen waren ursprünglich dazu gedacht, unsere Völker zu trennen; heutzutage arbeiten diese zusammen, um europaweit bedrohte Fledermausarten in den Anlagen zu retten. Doch nicht nur die Fledermäuse sind bedroht:

auch ihre Quartiere stehen unter zunehmendem Druck: Verfall, Zerstörung, Sicherungs- maßnahmen der öffentlichen Hand und Nutzungsänderungen reduzieren ständig die Zahl der geeigneten und verfügbaren Winterquartiere. Schutzbemühungen auf nationaler Ebene scheiterten oft an dem mangelnden Wille der zuständigen Behörden, die Verantwortung und die Kosten für ein gesichertes Winterquartier zu übernehmen. Doch auch bei anderen Winterquartieren wie stillgelegte Bergwerke, Tunnels, unteriridische Steinbrüche u.ä. ist es für einen Verein nicht leicht, Finanzierung und Trägerschaften zu erhalten. Es mußte daher eine überregionale Lösung gefunden werden, sowohl für die Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen, als auch für den legalen Schutz. Diese bot sich in Form der LIFE- Projekte der Europäischen Union an. LIFE ist das Finanzierungsinstrument zur Umsetzung der Forderungen der Fauna-Flora-Habitat-(FFH) Richtlinie.

T2722.jpg (1638 Byte)

Diese sieht unter anderm den Schutz von Lebensräumen und Lebensstätten bedrohter Arten vor. Schutzprojekte, die nicht prioritäre Arten behandeln, können von der EU mit 50 % iger Beteiligung an den Kosten gefördert werden. Die restlichen 50 % müssen von nationalen Ko-Finanzierern getragen werden. Im Falle des Fledermaus-Projektes konnten die nationalen, bzw. regionalen Umweltministerien dazu gewonnen werden.

Das Grenzüberschreitende Fledermausschutz- Projekt wurde vom Umweltministenum des Saarlandes als Beigeordnete Behörde für den Verein bei der zuständigen Kommission in Brüssel eingereicht. Das gesamte Finanzvolumen des Projektes beläuft sich auf 1.291.600 Ecu. Die beteiligten Regionen erhalten davon je nach ihrem vorher festgelegten Bedarf gewisse Prozentsätze. Die Hälfte der Projektgelder fließt in die französischen Regionen Lothringen und Champagne-Ardenne, die über die weitaus größte Zahl wichtigster, ungesicherter Winterquartiere verfügen. Die Mehrzahl der Population Nordfrankreichs der Großen und Kleinen Hufeisennase, der Wimper- und Mopsfledermäuse sowie der Großen Mausohren überwintert in den unterirdischen Anlagen der alten Forts, deren natumahe Umgebung zusätzlich wichtige Jagdgebiete bietet.

Der Schutz dieser Quartiere wirkt sich langfristig als Reservoir und Rückzugsgebiet für die Populationen der übrigen grenznahen Länder aus.

Die Auswahl der zu sichernden Winterquartiere wurde von den Mitgliedern der beteiligten Regionen nach ihrer Bedeutung für ansässige Fledermauspopulationen durchgeführt. Als Leitlinie dient jedoch die Vorgabe, innerhalb eines Gitternetzes mit 25 km Maschenweite jeweils ein wichtiges Quartier auszuweisen. Diese Distanz von 25 km wird als weitester Wanderweg der Großen Hufeisennase angesehen, eine Art deren Schutz an der heutigen Grenze ihres Verbreitungsgebietes besonders wichtig ist.

Die Sicherung der Quartiere soll über mehrere Wege erreicht werden, die den jeweiligen rechtlichen Situationen der Länder angepaßt sind. So werden in Frankreich die meisten Quartiere gekauft. In Anlagen, deren Kauf oder Pacht nicht möglich ist, werden Vereinbarungen mit den Besitzern und dem Verein geschlossen, die den Schutz der Fledermäuse garantieren. Zusätzlich werden Sicherungsmaßnahmen wie Gitter eingebaut. In der BRD ist das Problem viel komplexer. Aufgrund unserer strengen Rechtssprechung in punkto Verkehrssicherung und Haftung ist es dem Verein nicht möglich, Quartiere zu kaufen. Es werden deshalb nur Pachtverträge oder langfristige Vereinbarungen mit den Besitzern geschlossen. Alle Quartiere werden durch geeignete Maßnahmen vor unbefugtem Betreten gesichert. Als Sicherungsmaßnahme werden stabilste Stahlgitter mit Eingangstüre eingebaut. Falls notwendig werden auch in den Anlagen Maßnahmen zur Regulierung des Mikroklimas durchgeführt. Die Arbeiten an den Quartieren werden selbstverständlich nur außerhalb der Winterschlafperiode durchgeführt.

Der Erfolg der Sicherungsmaßnahmen wird durch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen kontrolliert. Bestandskontrollen, Studien zur Hangplatzökologie, langfristige Temperatur- und Feuchtemessungen, Untersuchungen zum Schwarmverhalten der FIedermäuse im Herbst sind Beispiele für solche Forschungen. Ziel der Untersuchungen ist es auch, Änderungen der aktuellen Verbreitungsgrenzen der bedrohten Arten zu erkennen und auf notwendige Schutzmaßnahmen in diesen Regionen hinzuweisen. Gerade an den Verbreitungsgrenzen reagieren die Arten empfindlich auf Veränderungen oder Verschlechterungen ihrer Lebensräume. In diesem Sinne greifen die Ziele des LlFE- Projektes und die Inhalte des "Europäischen Abkommens zum Schutz der Fledermäuse in Europa" (Bat Agreement) ineinander und zusätzliche Rückendeckung durch dieses Abkommen kann helfen, bedrohte Fledermausarten wirkungsvoll zu schützen.

Der legale Schutz dieser ausgewählten Quartiere wird ebenfalls über verschiedene Wege erreicht. So z.B. werden in Belgien und Frankreich ausgewählte Winterquartiere von der Region per ministeriellen Erlaß geschützt. In Deutschland und Luxemburg bietet sich die Sicherung durch Ausweisung als Naturschutzgebiet an. Zusätzlich zu diesen nationalen Schutzgebiet~Verordnungen müssen die mit LIFE-Mitteln gesicherten Winterquartiere in das Netz der europäischen Natura-2000 Schutzgebiete aufgenommen werden.

Zusammenfassend gesagt, wird durch dieses LIFE-Fledermausprojekt der Schutz von wichtigen Winterquartieren der bedrohtesten Fledermausarten in einem Großraum Mitteleuropas möglich werden.

Neben den praktischen Schutzmaßnahmen werden zur Information und weiteren Sensibilisierung der Bevölkerung Broschüren, Faltblätter und eine Ausstellung erstellt. Alle Medien werden in deutsch und französisch erscheinen und sind frei verfügbar.

 

Anschrift des Vereins:

Grenzüberschreitender Verein Fledermausschutz,

c/o Christine Harbusch, LIFE-Koordinatorin

Orscholzer Str. 15, 66706 Perl-Kesslingen